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Salonkultur – eine weibliche Domäne? 

Die Anfänge der Salonkultur muss man in Italien suchen. Man denke an Boccaccio und sein Dekameron.

Als regelmäßige gesellige Zusammenkünfte intellektueller Zirkel werden Salons in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in
Frankreich eingeführt und erleben im 17./18. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Als Beispiele seien genannt: der Salon der Madame de Tencin, in deren Salon u.a. Voltaire, Montesquieu, J.-J. Rousseau verkehrten, und der Salon der Mademoiselle de Lespinasse, in deren Salon u.a. D`Alembert und Diderot verkehrten. 
Durch die gesellschaftlich bedingte strikte Rollenverteilung sind dem Mann von Adel Aufgaben bei Hofe oder in männlichen Tätigkeitsbereichen zugewiesen. Die adlige Frau hingegen kann ihre freie Zeit verwenden, um sich geistreich zu unterhalten und entsprechend gebildete Personen empfangen. Dies sind aber in Frankreich wieder die Männer, die eine entsprechende Ausbildung erhalten haben, d.h. der französische Salon des 18.Jahrhunderts ist praktisch eine zum Gedankenaustausch zusammengekommene Gesellschaft unter der "Leitung" einer Frau. Die Gastgeberinnen werden auch als Salonière bezeichnet.

Gemälde: Anna Amalias Literarischer Salon
Die Salons, die etwa zur selben Zeit in Berlin entstehen, haben dagegen eine vollkommen andere Struktur. Mit den bisher erwähnten Salons haben sie gemein, dass auch hier eine Frau die Initiatorin ist. Sie sind jedoch nicht primär politisch geprägt, sondern eher literarisch-künstlerisch.
Darüber hinaus sind sie Begegnungsstätten von Adel, Großbürgertum, Intellektuellen und vor allem auch jüdischen Bürgern. Diese Form der Geselligkeit ist selbst schon eine Kunst. Das Arrangement von Menschen verschiedenen Standes, verschiedener Religion, verschiedenen Charakters besitzt wohl eine gewisse Einmaligkeit.

Eines allerdings verband diese Menschen über die Grenzen hinweg: ihre Kreativität. Fast alle betätigten sich irgendwie literarisch produktiv: entweder im Briefe schreiben, im Romane schreiben, im Journalismus.
Verbindendes Fluidum des Salons war das
Gespräch. Wer die Fähigkeit des Gesprächs nicht beherrschte, konnte am Salon keinen Gefallen finden. Das Gespräch selbst ist die Kunst des Salons, die Kunst der Geselligkeit.
(Quelle: Wikipedia)

Und wie könnte es um diese "Kunst" eines Literatursalons von heute bestellt sein, im 21. Jahrhundert? Immer noch die alte Rollenverteilung oder sind das inzwischem überholte Klischees? Wir können nur mutmaßen, aber ein paar Gedanken von Bas Kast charakterisieren zumindest die Situation, die wohl maßgeblich ist für die Entstehung und Zusammensetzung von Literatursalons :

Wenn Frauen nicht mehr lesen, ist der Roman tot. (Ian McEwan)

Frauen lesen anders, Männer auch.
Männer lesen zur Information. Lesen als Erlebnis hat aber mit Muße zu tun.
Aus einem Sachbuch kann man Fakten destillieren. Bei einem Roman ginge dabei das Wesentliche verloren. Ein "kafkaeskes" Erlebnis lässt sich nicht per Power-Point-Vortrag vermitteln
Eine Frau fragt: "Wie fühlt sich das an?" Ein Mann: "Wie funktioniert das?" Prousts Eifersucht auf 300 Seiten mitzuleben, ist eben anders als bei Wikipedia "Eifersucht" nachzuschlagen.
Romane - der vielleicht schönste Weg, Einfühlungsvermögen zu entwickeln.
(Quelle: Tagesspiegel 12.3.08, hier der Link zum ganzen Artikel: Bas Kast: die Welt von S bis E)

Doch gleich, ob Mann oder Frau - Hätten Sie Gefallen am "anderen Literatursalon?


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